Sind Blogger Relations immer gleich Paid Content? Interview mit Kai Bösel, BOOMblogs

Eltern Blogger schreiben über ihren spannenden Alltag mit ihrem Kind und erreichen damit ein großes Publikum. Für Unternehmen gibt es diverse Möglichkeiten, mit Bloggern zu kooperieren, um spezielle Produkte, Websites oder Online-Shops bekannter zu machen. Wir sprachen mit Kai Bösel über Blogger Relations und Blogger Marketing.

BOOMblogs ist ein Marketing Netzwerk für Eltern- und Lifestyle Blogger. Was genau ist die Idee dahinter?

Der Start eines Blogs erfolgt meist ohne kommerzielle Absicht, sondern aus vielfältigen anderen Gründen. Viele Blogger bauen sich durch ihre Geschichten, ihren Schreibstil und nicht zuletzt durch ihre Social Media Kanäle im Laufe der Zeit jedoch beachtliche Reichweiten auf. Und so rücken sie dann in den Fokus von Firmen, die mit den Bloggern oder Influencern zusammenarbeiten möchten. In dem Moment halten wir es nicht für verwerflich, über Geld zu sprechen. Das liegt aber nicht jedem Blogger. Manchen fehlt es an der Zeit, die vielen Anfragen zu bearbeiten, persönliche Treffen wahrzunehmen und Deals auszuhandeln. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Kunden, die gern etwas mit Blogs machen möchten, aber noch keine Idee haben, wie man sich diesen annähert. Es gibt mehrere tausend Familienblogs in Deutschland. Daraus die relevanten Blogs zu filtern, Media Kits zu durchforsten und Kooperationen zu vereinbaren, ist zeitaufwendig und erfordert ein hohes Verständnis der Blogosphäre. Da wir mit BOOMblogs die Schnittstelle zwischen Bloggern und Firmen bilden, erleichtern wir beiden Seiten die Zusammenarbeit.

Welche Erfahrungen hast Du bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bloggern gemacht?
Viele Unternehmen sind sehr professionell und haben eigene Teams, die sich um die Blogger Relations kümmern. Es gibt aber immer noch Kunden und Agenturen, die diesen Bereich erst frisch für sich entdecken und sich wundern, das Blogger für einen Beitrag Geld verlangen, sich nicht mit Produktsamples bezahlen lassen oder auch mal Anfragen aufgrund fehlender Relevanz ablehnen. Auf der anderen Seite sind auch die Blogger nicht immer pflegeleicht. Einige haben überzogene Erwartungen und meinen, auch mit kleiner Reichweite nie mehr für Baby-Produkte zahlen zu müssen. Aber das funktioniert nicht. Insofern können beide Seite noch dazulernen. Auch darin sehen wir unseren Auftrag.

Welche Vorteile hat die Kooperation für Unternehmen? Und was haben die Blogger davon?
Wir können nicht jedem Unternehmen helfen. Wer die Betreuung der Blogger mit einem eigenen Team umsetzt, der richtet Anfragen meist direkt an die Blogger. Wir treten dann nur in Erscheinung, wenn sich der Blogger für eine exklusive Vermarktung über BOOMblogs entschieden hat.
Ansonsten helfen wir den Kunden, die zwar etwas mit Blogs machen wollen, aber keine Idee für eine Geschichte oder Produktinszenierung haben, die passenden und relevanten Blogs nicht kennen oder ansonsten etwas Hilfestellung brauchen. Wir helfen auch bei Social Aktionen, bei der Organisation von Events, bei Gewinnspielen, Produkttests oder Reisegeschichten.
 Für die Blogger ist der Vorteil, dass wir die Anfragen filtern und mit den Kunden eine Kooperation aushandeln, die wir den Bloggern dann auf dem Silbertablett servieren. Sie können dann entscheiden, ob sie die Geschichte machen oder nicht. Wir sorgen für eine absolut faire Bezahlung der Blogger.



Sind Blogger Relations immer gleich Paid Content?

Ein Blog lebt von authentischen und spannenden Geschichten. Nur so begeistert man Leser und baut Reichweite auf. Das dauert meist sehr lange und jeder Blogger sollte sich darum kümmern, die Leser bei Laune zu halten. Bezahlte und somit werbliche Beiträge sind zwar oft auch spannender Lesestoff, vermitteln den Lesern aber schnell das Gefühl einer gekauften Meinung. Das entspricht meist nicht der Realität, denn Blogger pflegen auch bei Advertorials einen kritischen Blick. Aber um Leser zu halten, braucht es die richtige Dosis an Werbung. Ein Großteil des Inhalts auf einem Blog ist somit nicht bezahlt. Wenn aber Kunden vorhaben, den Blogger über ein Produkt, einen Shop, ein Reiseziel oder eine Veranstaltung schreiben zu lassen, dann sollte dafür auch ein Budget eingeplant werden wie bei der Schaltung einer Anzeige in einer Zeitung.

Zum Schluss: Wird sich das Blogger Marketing in den nächsten 5 Jahren verändern?  
Ich hoffe darauf, dass sich die Blogosphäre insbesondere im Segment der Familienblogs weiter professionalisiert. Ich bin für eine transparente Ausweisung des Traffics jedes einzelnen Blogs, ähnlich wie Webseiten auch durch die IVW gemessen werden. Dann könnten Preise einfacher standardisiert werden. Aktuell starten Woche für Woche neue Mama-, Papa- und Familienblogs. Ich empfehle diesen Blogs immer, sich erstmal ein Jahr nur auf die Schreiberei zu konzentrieren, vielleicht eine Nische zu finden und noch keine Erwartungen an das „Geld verdienen“ zu haben. Aus meiner Sicht werden nur wenige Blogger von ihrer Schreiberei leben können. Und der Weg nach ganz oben ist nicht leicht.
 Auch auf der Kundenseite sehe ich noch Potenzial für Verbesserungen. Es sollte auf Klasse statt Masse gesetzt werden. Auch sollten Ziele definiert und zur Bewertung angesetzt werden. Noch leisten wir mit BOOMblogs auch viel Pionier- und Aufklärungsarbeit, weil das Verständnis für das Blogger Marketing im Segment „Familie“ noch nicht so entwickelt ist wie zu den Themen „Fashion“ oder „Auto“. Insofern sind auch wir gespannt auf die nächsten fünf Jahre.

Wir sagen danke für das Gespräch.
Kai bloggt übrigens seit Jahren selbst sehr erfolgreich auf DADDYlicious, einem sehr lesenswerten Blog für Väter.
Gemeinsam mit BOOMblogs haben wir bereits mehrere Blogkooperationen realisiert. Wenn Sie mehr dazu erfahren möchten, kontaktieren Sie uns gerne.

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Titelbild: © Ryan McGuire – gratisography.com

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