Mobile, Monetarisierung und Mut – neue Leitplanken für die Unternehmenskommunikation

Als Twitter im April diesen Jahres die Live Streaming App Periscope kaufte, schnellten die Nutzerzahlen innerhalb von wenigen Tagen auf eine Millionen User. Mit Periscope kann jeder Nutzer das aktuelle Geschehen um ihn herum auf seinem Smartphone filmen und live mit der Welt teilen.

Ebenso wie bei Facebook, Twitter & Instagram können Nutzer bei Periscope anderen Usern folgen. Wer sich die angesagte Live Streaming App herunterlädt, erhält in Echtzeit Benachrichtigungen über neue Broadcasts und geteilte Inhalte. Jeder kann zuschauen, live kommentieren und liken und Viele tun das offenbar sehr gern.

Quo vadis digitale Transformation?
Social Media, Mobile und Content Marketing: Das waren die drei Digital Themen, die im Mittelpunkt der HORIZONT Digital Marketing Days (DMD15) standen. Unter dem Motto: „Orientierung im Digital-Marketing-Dschungel“ diskutierten hochrangige Vertreter aus Unternehmen, Medien und Agenturen über den Status Quo und die Herausforderungen der digitalen Transformation.

Die Anzahl der Smartphone User wächst dramatisch. Das wissen wir. Waren es im Jahr 2012 noch 1,06 Milliarden Nutzer weltweit, so hat sich die Zahl bis 2015 nahezu verdoppelt (1,91 Milliarden). Für das Jahr 2018 werden 2,56 Milliarden Nutzer prognostiziert (Quelle: Statista.de). Über die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Kommunikation von Unternehmen wird derzeit heftig diskutiert. HORIZONT Chefredakteur Volker Schütz hat seine persönlichen Konsequenzen bereits gezogen – er „broadcastet“ als einer der ersten deutschen Journalisten live auf Periscope Bewegtbilder von den DMD15 aber auch Eindrücke von der Fahrradfahrt in die Frankfurter Redaktion.

„Lehnen Sie sich zurück, entspannen Sie sich.“ – Thomas de Buhr, Twitter
Twitter Deutschlandchef Thomas de Buhr sieht diese Entwicklung auf den DMD15 scheinbar gelassen: „Die Zeiten werden nie wieder so langsam sein wie jetzt“. Die steigende Verfügbarkeit von Endgeräten, Internetzugängen und Inkubatoren mit immer wieder neuen Geschäftsmodellen befeuere den gesamten Kreislauf, so de Buhr. „Noch schneller ist nur die Geschwindigkeit, in der die Nutzer die neuen Möglichkeiten annehmen.“ Das Beispiel von Periscope zeigt, dass er Recht hat.

Was bedeutet das für die Kommunikation von Unternehmen?

„Live ist das neue geil“ sagt Kai Diekmann – Kommunikation in Echtzeit gewinnt an Bedeutung

Relevante Echtzeit-Inhalte würden in Zukunft den Unterschied machen, so de Buhr und stimmt damit Kai Diekmanns (Chefredakteur der BILD) Zitat „Live ist das neue geil“ uneingeschränkt zu. Mit einem Beispiel von Rewe untermauert er seine Aussage: Während einer „Schlag den Raab“ Sendung setzte Rewe via Twitter ein Job-Angebot an den Raab Herausforderer Jan-Marc ab, das sowohl im Social Web als auch in den Medien für hohe Wellen sorgte:


Quelle: Twitter

Im Netz kam diese Aktion von Rewe gut an: Kommentare wie „Hammermäßig reagiert“, „Jan-Marco bitte an Kasse 3“ oder „Wie geil“ wurde dieser Tweet von einigen Usern belustigt kommentiert. Berichterstattung in Print- und Online-Medien folgten.


Quelle: bild.de

Kontext ist King
Das Rewe Beispiel zeigt: Es geht darum, den Kunden im richtigen Kontext zu erreichen, um damit  Aufmerksamkeit und Relevanz zu schaffen. Eine genaue Analyse verfügbarer Kanäle und eine darauf abgestimmte digitale Content-Strategie sind Grundvoraussetzungen, um für eine langfristige Sichtbarkeit zu sorgen. Aber all das nützt Unternehmen nicht, wenn sie ihren Kommunikationsverantwortlichen nicht auch den nötigen Handlungsfreiraum für spontane Live-Kommunikation á la Rewe geben. Daß Technologien wie Periscope dabei lediglich Mittel zum Zweck seien, betonte auch Peter Figge von Jung von Matt in seinem Vortrag.

Mut zur Neudefinition
In einer Diskussionsrunde zwischen HORIZONT Chefredakteur Volker Schütz, Lars Lehne (Google), Ulrich Kramer (Pilot), Christian Scholz (Mindshare), Peter Figge (JvM) und Tina Beuchler (OWM/Nestlé) gab es einen Grundkonsens zur erneuerungswürdigen Zusammenarbeit zwischen Agenturen und Unternehmen.

Gelernte Prozesse zwischen Agenturen und Unternehmen seien für die aktuellen Anforderungen meist viel zu zeitintensiv und schwerfällig, so Tina Beuchler, Vorsitzende der Organisation Werbungtreibender im Markenverband (OWM) und Mediachefin von Nestlé. Klare Leitplanken mit einem deutlich größeren Spielraum für Agenturen forderte Kramer und betonte, dass Kunden hier in der Pflicht seien, ihren Agenturen eindeutigere Briefings und mehr Vertrauen zu schenken. Tina Beuchler forderte in diesem Kontext eine mutigere Fehlerkultur seitens der Unternehmen. „Unterscheiden wird uns die Intelligenz und die Fähigkeit, in Realtime zu reagieren,“ ergänzte Mindshare-CEO Christan Scholz.

Monetarisierung – Verknüpfung von Social Media & Sales
Immer, wenn neue Social Media Dienste und Plattformen gelauncht werden, stellen sich Marketingentscheider die Frage, ob und wie sie diese Plattform für sich nutzen sollen. Ein zentraler Gedanke dabei ist die mögliche Verknüpfung zur Sales-Entscheidung. Dass die Monetarisierung von Social Media auch künftig stärker in den Fokus der Marketer rücken wird, bestätigt Marc Sasserath von Sasserath Munziger Plus in seinem Vortrag. Dabei verwies er auf Dienste wie liketoknow.it für Instagram oder Buyable Pins von Pinterst.


Mit liketoknow.it kann man Produkte direkt auf Instagram kaufen.
Quelle: liketoknow.it

William Faulkner hat einmal gesagt: “Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht“. Darum geht es hier nicht. Mut in der digitalen Transformation bedeutet für Unternehmen weder, die Fülle an Neuheiten kontinuierlich zu absorbieren noch davor zu kapitulieren. Es geht darum, den Markt konsequent zu sondieren, Neues nicht vorschnell als richtig oder falsch zu bewerten, sondern den Mut zu haben, gemeinsam mit Agenturen neue Wege zu beschreiten ohne dabei den Fokus zu verlieren und Schritt für Schritt daran zu wachsen.

Melanie Lammers

Titelbild : © Lily81 – shutterstock.com

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